Selbstständig mit Fotografie – Ja, nein, vielleicht?

Nochmal selbstständig?

Ja, wieder. Ich war zwischen 2011 und 2014 selbstständig, wobei ich nur das letzte Jahr davon hauptberuflich selbstständig war. Und bin als Selbstständiger gescheitert. Aber als Mensch, habe ich unheimlich viel Erfahrung sammeln können. Erfahrung ist nach wie vor unbezahlbar 😉 Und wenn ich zurückblicke, bin ich immer mehr davon überzeugt, dass ich nicht gescheitert bin.

Und nun, durch verschiedene Entwicklungen in den letzten 6 bis 9 Monaten habe ich mir Gedanken über eine Selbstständigkeit nachgedacht. Und natürlich mit welcher Idee. Mir war klar, dass ich mit Portrait-/Hochzeit-Fotografie nicht weiterkommen werde. Zumal mir dieses Genre der Fotografie absolut nicht liegt. Außerdem gibt es hier in Dessau gefühlt 10 oder mehr Fotografen, die mit dieser Art der Fotografie Ihr Geld verdienen. Hobbyfotografen hier mal nicht mitgezählt.

Passives Einkommen

Von Beginn an wollte ich mich nur nebenberuflich selbstständig machen – sprich: ein Gewerbe im Nebenerwerb. Und weil ich durch meine hauptberufliche Tätigkeit nicht so viel Zeit in die Selbstständigkeit investieren kann (Familie soll natürlich auch nicht zu kurz kommen ;)), musste ich eine Idee finde, mit dem ich ein passives Einkommen aufbauen kann. So dass ich Anfangs viel Zeit investieren muss, aber langfristig gesehen soll Geld verdient werden, ohne dass ich direkt noch viel Arbeit und Zeit reinstecken muss. Und ich möchte dadurch praktisch von überall auf der Welt arbeiten können.

Die Ideen und Umsetzungen

Um auf dem Markt bestand zu haben, musste ich einen USP (Unique Selling Proposition = Alleinstellungsmerkmal) haben und etwas bieten, was sonst niemand oder nur wenige anbieten. In nachhinein habe ich mir mit meinem Fotoprojekt „Das ist Dessau“ dieses Alleinstellungsmerkmal vor gut zwei Jahren bereits selbst geschaffen. Es ist natürlich nichts neues, die Stadt zu fotografieren, in der man lebt. Es ist vielleicht die Art der Fotos, die es besonders machen.

Angeregt durch die Entwicklung bei einer Stockfoto-Agentur, worüber ich als Privatperson Fotolizenzen verkaufen konnte. Kam mir in dem Sinn, auch Fotolizenzen zu verkaufen – und zwar in einem eigenen Online-Shop. So muss ich keine Summe X an einer Agentur abgeben. Weil ich hauptberuflich WordPress-Themes erstelle, war die technische Umsetzung des Online-Shop’s mit WordPress und WooCommerce für mich kein Problem. Auch die Anpassung des Layouts, erfolgte ebenso durch meine eigene Hand. Die Investition war also eine zeitliche (viele Stunden Freizeit ;)). Finanziell gesehen habe ich lediglich ca. 20€ in ein Plugin investiert.

Die nächste Idee war, dass ich meine Bilder als Poster/Leinwand verkaufen wollte. Angeregt wurde ich durch meine letzte Fotoausstellung im Dessauer Rathaus. Als ich am letzten Tag der Ausstellung einige Poster verkaufen konnte. Und das, obwohl ich schon beim Abbauen der Bilder war.

Allerdings habe ich keine technische Voraussetzungen dafür Poster zu drucken. Einen Online-Foto-Service wollte ich dafür auch nicht in Anspruch nehmen, weil es:

  1. zu umständlich wäre vom Bestellprozess.
  2. ich wiederum Zeit investieren muss (Poster für Kunden bestellen, prüfen, weiterschicken)

und setze somit auf ein Unternehmen hier in Dessau, die meine Fotografien in ihrem eigenen Online-Shop aufnehmen und vertreiben. Die Vermarktung und Vertrieb überlasse ich komplett den Partner und ich bekomme eine kleine Provision pro Verkauft. Der Partner hat somit auch ein USP (weil kein anderes Unternehmen meine Bilder als Poster/Leinwand verkauft) und es ist eine Win-Win-Situation für beide.

Vor wenigen Wochen wurde ich auch von einer Agentur angeschrieben, ob ich gegen Entgelt einen Werbebanner einbauen kann. Nach kurzem Überlegen und „Verhandlungen“ habe ich zugesagt. Warum denn auch nicht, wenn der Banner thematisch zur Fotografie passt 😉 Diese dritte Möglichkeit war nicht geplant – aber durchaus interessant, wenn alles passt.

Seit wenigen Tagen habe ich weitere Ideen im Kopf, aber diese ist noch nicht spruchreif. Ich werde es hier ergänzen, wenn es soweit ist 😉

Gewerbeanmeldung & Steuerberater

Die Gewerbeanmeldung kostet hier in Dessau 26€. Allerdings konnte die Anmeldung noch nicht abgeschlossen werden, da ein polizeiliches Führungszeugnis und noch eine andere Sache bei einer Behörde in Bonn angefragt werden muss. Der Grund dafür ist, dass ich einen Online-Shop betreiben möchte. Und dafür muss wohl das „Vertrauen“ in meiner Person geprüft werden. Das dauert ca. eine Woche. Der Ablauf kann an einen anderen Ort natürlich anders sein. Plant die entsprechende Wartezeit ggf. mit ein. Ich selbst kann es kaum noch abwarten 😉

Bei meiner Recherche über steuer-rechtliche Aspekte habe ich meine Steuerberaterin konsultiert, weil ich mit Steuererklärungen eher auf Kriegsfuß stehe. Bei einem persönlichen Termin konnten meine Fragen beantwortet werden und ich habe einen nützlichen Tipp bekommen, was die Buchhaltung viel einfacher macht. Nämlich die Kleinunternehmer-Regelung. Die hatte ich nicht bedacht, weil ich bei meiner vorherigen Selbstständigkeit nicht die Kleinunternehmer-Regelung genutzt hatte und dachte, dass ich das neue Gewerbe weiterhin ohne Kleinunternehmer-Regelung betreiben muss. Aber ich wurde des Besseren belehrt beraten 😉

Ich finde, es ist nicht verkehrt einen Steuerberater zu fragen, wenn man in dieser Richtung keine eindeutigen Antworten im Internet findet. Ich habe durch den Termin (dauert ca. eine Stunde) viele Stunden Recherche gespart. Und zu einigen Fragen, habe ich im Internet auch nichts finden können.

Finanzielle Ausgaben (Fixkosten) und finanzielle Ziele

Neben der ganzen Euphorie darf ich die finanziellen Ausgaben nicht vergessen. Denn nichts ist bekanntlich umsonst 😉 Nach derzeitigen Stand werden sich meine direkten, monatlichen Fixkosten auf ca. 25€ belaufen. Diese setzen sich wie folgt zusammen:

  • AGB für Online-Shop durch einen Anwalt – mtl: 10€
  • Domain und Hostingkosten: 15€

Wobei ich die Domain und Hostingkosten sowieso habe – auch ohne Gewerbe. Es sind also monatlich nur 10€ mehr, die ich einplanen muss. Ich finde, dass ist durchaus bezahlbar – auch wenn ich längere Zeit nichts verdiene. 😉

Mein Ziel ist nicht reich zu werden. Dafür ist die Idee nicht revolutionär genug 😉 Mein Ziel ist eher, ein „Taschengeld“ zu verdienen. Und wer weiß was sich daraus noch entwickelt. Wie dem auch sei, mit einem Gewerbeschein, kann ich ganz legal tätig sein und Rechnungen schreiben.

Wann geht’s los?

Wie ihr bemerkt habt, bin ich schon in der Endphase der Planung und Umsetzung. Es fehlt nur die Gewerbeanmeldung, welches die Basis für weitere Schritte ist. Unter anderem auch die Eröffnung eines Geschäftskontos, welches auch Zeit in Anspruch nehmen wird, da ich eine reine Online-Bank ohne monatliche Gebühr nutzen werde – reduziert Fixkosten ;). Ich gehe davon aus, dass ich zu Ende Mai/Anfang Juni den Shop online schalten und bewerben kann. Bis dahin werde ich noch fleißig Fotos in den Online-Shop einpflegen 😉

Ich werde es dann hier aktualisieren, wenn es Neuigkeiten gibt.

Das ist so aufregend! 🙂

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Letzte Aktualisierung am 24.02.2018 um 20:35 Uhr / * = Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

Veröffentlicht von Jing Zhou

Fotografie ist ein Hobby und ich liebe es. Und hier in meinem Blog möchte ich meine Erfahrungen und Gedankengänge zur Fotografie mit anderen teilen. Hauptberuflich erstelle ich individuelle WordPress-Themes. Außerdem betreibe ich das Fotoprojekt Das ist Dessau - Alltagsgeschichten in Bildern

  1. von Andreas Krüger am 20. Juni 2016 9:46 Uhr

    Hallo Jing,

    Beiträge über die Selbstständigkeit im Bereich Fotografie sind immer wieder sehr Interessant. Bei mir läuft der Nebenerwerb ganz klassisch über Portraitshootings. Es ist also immer in etwa der gleiche Arbeitsaufwand. Die Idee, über die Zeit den Aufwand zu verringern und trotzdem weiterhing Geld verdienen zu können ist spitze.

    Danke für diesen Beitrag und viel Erfolg!

    Antworten

    • von Jing Zhou am 20. Juni 2016 9:51 Uhr

      Hallo Andreas,

      vielen Dank für’s Lesen 🙂
      Mein Shop ist auch seit gestern online.

      Viel Erfolg weiterhin mit deiner Selbstständigkeit 🙂

      Jing

      Antworten

  2. von Selbstständig – Meine Zwischenbilanz | Jing Zhou - Fotografie / WordPress / Webdesign am 24. November 2016 20:04 Uhr

    […] etwas mehr als einem halben Jahr habe ich ich nebenberuflich selbstständig gemacht. Zeit für eine Zwischenbilanz mit dem was lief und was nicht […]

    Antworten

  3. von Das war 2016 – So soll 2017 werden | Jing Zhou - Verliebt in Fotografie am 31. Dezember 2016 0:38 Uhr

    […] langem überlegen und planen, habe ich mich wieder selbstständig gemacht. Als ich 2014 meine Selbstständigkeit beendete, habe ich mir vorgenommen mich nie wieder […]

    Antworten

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